Tierschutzhunde

ERste Berührungspunkte

Als ich Ende des Jahres 2020 meine jetzige Partnerin kennengelernt habe, waren es unsere beiden Hunde, bei denen es zuerst funkte. Meine Hündin Sidney verstand sich auf Anhieb mit Suki, die zu diesem Zeitpunkt erst seit ein paar Monaten in Deutschland war. Mit ca. 1,5 Jahren war sie aus Rumänien nach Deutschland zu meiner Partnerin vermittelt worden. Gefunden hatte man sie zuvor völlig abgemagert, eingesperrt in einer Scheune mit einigen anderen Hunden. Was sie zu diesem Zeitpunkt schon erlebt hatte, lässt sich nur erahnen.

Geschichten aus dem Ausland

Gerade über Hunde aus dem Auslands-Tierschutz kursieren allerlei Gerüchte. „Das sind alles Streuner“, „Die hatten nie Kontakt zu anderen Menschen“, „Die Menschen behandeln die Hunde dort wie Dreck“ sind nur einige Beispiele. Beschäftigt man sich etwas mehr mit dem Thema, dann kommt man zu dem Schluss, dass es nicht so einfach ist. Ich habe aus Interesse und auch wegen Suki ein paar Seminare besucht und viel mehr darüber erfahren, warum Hunde, die aus dem Ausland kommen, sehr oft mit Schwierigkeiten konfrontiert werden und deshalb nicht immer den besten Ruf haben. Tatsache ist, dass es in Ländern wie Rumänien, Griechenland, Italien etc. viel mehr Hunde gibt als bei uns in Deutschland. Es kommt daher oft auch aus Verzweiflung zu schrecklichen Taten, um das „Hundeproblem“ in den Griff zu bekommen. Es gibt aber auch im Ausland sehr viele Menschen, die sich mit viel Herz um die Tiere kümmern.

ErFahrungen mit Suki

Es stellte sich relativ schnell heraus, dass Suki einige Pakete mit sich zu tragen hatte. Anderen Menschen, insbesondere Männern, gegenüber trat sie skeptisch auf und in der Kommunikation mit anderen Hunden tat sie sich oft schwer. Die größten Probleme hat Suki aber bis heute bei lauten Geräuschen (Flugzeuge, Gewitter, Knaller). Sie verfällt bei diesen häufig in eine Schockstarre mit Zittern.

KUlturschock

Nicht alle Hunde, die aus dem Ausland kommen, haben in ihren Herkunftsländern grundsätzlich Leid im Umgang mit Menschen erfahren. Verhalten sich Tierschutzhunde reaktiv oder in unseren Augen unangemessen, dann suchen wir oft nach einem direkten Feindbild, dass es vielleicht gar nicht gibt. Während der Hund bei uns inzwischen hauptsächlich als Familienhund fungiert, so wird er im Ausland immer noch für Aufgaben wie Hüten, Jagen oder auch Wachen gezüchtet. Jetzt muss man sich nur mal vorstellen, dass der Schäfer eines Hütehundes unvorhergesehen stirbt. Der Hund wird ins Tierheim gebracht und nach Deutschland vermittelt. Er hat sein ganzes Leben lang vorbildlich seine Arbeit verrichtet, aber auf einmal soll er nicht mehr hüten, ganz im Gegenteil, er soll nicht bellen, brav im Fuß laufen und darf nur nach draußen, wann es dem neuen Halter beliebt. Eine solche Veränderung kann bei vielen Hunden zu erhöhtem Stress und damit auch zu reaktivem Verhalten führen.

Hunde verstehen

Wenn man sich einen Hund aus dem Auslandstierschutz holt, dann ist das Wichtigste, dass man sich mit seiner Herkunft beschäftigt. In jedem Land in Europa und auch regional gibt es stark variierende Haltungsbedingungen, die sich auf das zukünftige Verhalten des Hundes auswirken können. Beschäftigt man sich damit und versucht den neuen Vierbeiner von Anfang an besser zu verstehen, dann wird die Zusammenführung um einiges einfacher für Halter und Hund. Suki hat immer wieder kleine Probleme, aber sie ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil unserer kleinen Familie. Ich habe viele tolle Hunde aus dem Auslandstierschutz im Training, die zu wahnsinnigen Anpassungen bereit und fähig sind. Wir müssen aber auch unseren Teil dazu beitragen und ihnen die richtige Plattform bieten. Falls ihr schon mit dem Gedanken gespielt habt, euch einen Hund aus dem Tierschutz zu holen, aber gerne von Anfang an begleitet werden wollt, dann schaut euch doch gerne das Angebot zur beratenden Begleitung für Tierschutzhunde an.